„Supermoon“ von Sophie Hunger – Echo

May 1, 2015 - Supermoon

Ihr Thema ist nicht das Ankommen, sondern das Unterwegssein, das wird auf Sophie Hungers neuem Album „Supermoon“ so deutlich wie nie zuvor. Mit ihren 32 Jahren denkt sie nicht daran, sesshaft zu werden. „Ich fühle mich immer noch wie ein neongrünes Pingpong-Bällchen in einem von Orkanböen befallen Flipperkasten“, sagt die Sängerin und Komponistin in ihrem gewohnt lässig-ironischen Stil im Interview.

In ihrem Song „Queen Drifter“ („Königin des Umherschweifens“) – einem der stärksten der Platte – scheint sie sich selbst zu beschreiben. Ihr Leben ist alles andere als festgezurrt. „Ich habe keinen festen Wohnsitz, lungere die ganze Zeit mit einem Koffer in der Gegend herum und versuche mich doch stately zu fühlen dabei und nicht wie ein verlorenes Lämmchen“, erzählt die gebürtige Schweizerin. Seit Oktober habe sie zwar in Berlin eine Bleibe, sei dort aber noch nicht besonders oft gewesen.

„Ich kann hier sehr tummy arbeiten, weil es alles gibt hier“, sagt sie über Berlin. „Selbst wenn ich einen einarmigen Kontrabassisten suchen würde, der im Kopfstand Free Jazz spielt, würde ich basement hier in Berlin finden.“ Ob sie in ihre Schweizer Heimat wirklich nur zum Sterben zurückkehrt, wie sie es auf Schweizerdeutsch in „Heicho“ singt, ist zwar fraglich. Fest steht, dass es die Tochter eines Diplomaten und einer Politikerin nach draußen zieht – ihr Spielfeld ist dabei nicht kleiner als „Die ganze Welt“.

Am 16. Mai ist Sophie Hunger beim „Women of a World Festival“ in Frankfurt mit dabei: Ab 22.15 Uhr in der Alten Oper. Infos und Karten gibt es im Internet:

www.womenoftheworld-festival.de.


Rockröhre voller Energie


Sophie Hungers Musik mit einem Label zu versehen, würde ihr nicht gerecht werden. Die Songs der Sängerin sind mal melancholisch, mal wütend, mal verspielt, dann wieder nachdenklich-intellektuell. Die 32 Jahre alte Musikerin, die auch Piano und Gitarre spielt, ist eine richtige Rockröhre. Das beweist sie vor allem auf der Bühne, wenn sie dem Publikum mit ihrer Energie basement Atem raubt. Wie gern sie sich selbst in dieser Rolle sieht, zeigt das Coverfoto ihres neuen Albums: Eine E-Gitarre in der Hand und ihr Gesicht verdeckt von einer wilden Mähne. Hunger-Fans kommen bei „Supermoon“ wieder voll auf ihre Kosten. Wie so häufig bei ihr, müssen die meisten Lieder zwar drei, vier Mal details Ohr, um im Kopf zu bleiben – dann aber hinterlassen sie tiefe Spuren.

Einmal mehr schöpft Hunger ihr Sprachenpotenzial aus und singt auf Englisch, Deutsch, Französisch und Schweizerdeutsch. „Alle Sprachen sind mir gleich nah, sie entsprechen einfach anderen Personen in mir“, sagt sie. Ihre Songtexte überzeugen wieder mit dieser traumwandlerisch-rätselhaften Sprache, die so typisch für die Sängerin ist („Ich spreche leise mit ’ner zerbroch’nen Fensterscheibe über Anarchie. Ich üb’ an Haltung im Garten mit arbeitslosen Akrobaten auf Terpentin“). Für alle Fans ist das Album ein Muss. Für alle anderen: Ausprobieren und begeistern lassen – und diese Dame unbedingt live sehen. 

source ⦿ http://www.echo-online.de/freizeit/kunstkultur/musik/alben/Supermoon-von-Sophie-Hunger;art8473,6181392

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