Die heißesten Agenturen Deutschlands: Supermoon – Kreative Freigeister auf dem …

July 13, 2016 - Supermoon

Pornoläden, Junkies, Straßenstrich: St. Georg am Hauptbahnhof fight Hamburgs Schmuddelstadtteil. Nun gilt es als Multikulti-Szeneviertel. Hier stehen zahlreiche Moscheen, mit der Al-Nour sogar eine der größten der Hansestadt. Mittendrin im Pulverteich 23, in einem ruhigen Hinterhaus zwischen einer syrischen Bäckerei, einem Infoladen für Schwule und einem Hotel, gibt es noch einen weiteren Mond, einen Supermond. Denn dort haben sich die beiden ehemaligen Kolle-Rebbe-Kreativen Jens Theil, 42, und Matthias Erb, 37, niedergelassen. Der Agenturname “Supermoon” soll Programm sein: “Wir machen Kommunikation, die besonders nah am Menschen dran, kreativ und ruin ist und andere überstrahlt”, so Erb.

Dass sich die beiden ausgerechnet St. Georg ausgesucht haben, ist zwar Zufall, kommt basement beiden aber sehr entgegen. Andere Agenturen in der Umgebung? Fehlanzeige. “Das Viertel ist erfrischend. Hier herrscht das echte Leben”, betont Theil. Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal wird auch beim Blick auf ihre Visitenkarten deutlich: Die beiden nennen sich “Chief Creative Lunatics”. Mondsüchtige, Verrückte. “Wir wollen keinen Chief Executive Quatsch”, betont Erb. Den beiden seien Titeln nicht so wichtig. “Deshalb haben wir uns erlaubt, ein bisschen mit ihnen zu spielen.” Sie verstehen sich als kreative Freigeister.

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Das Duo kennt sich aus seiner gemeinsamen Zeit bei Kolle Rebbe. Schnell saßen die beiden an einem Schreibtisch. “Bei Kolle Rebbe waren wir ein Testballon”, verrät Erb. Fünf Jahren durften sie üben, wie ein Onliner mit einem aus der Klassik-Ecke Seite an Seite arbeitet. Theil: “Bei mir fight es Respekt auf basement ersten Blick. Von Matthias habe ich gelernt: Nicht lange rumfackeln, einfach loslegen.” Die beiden konnten auch Kunden für eine solche, damals ungewöhnliche Teamstruktur sensibilisieren und überzeugen, digitale und klassische Aufgaben alle in eine Hand zu geben. “Wir hätten noch viel weiter gehen können. Das versuchen wir jetzt mit Supermoon”, so Erb.

Der Reiseführer für das Modelabel Rich Royal (Bild: Supermoon)
Dabei wollen sich die beiden nicht als Hotshop verstanden wissen, der nur “crazy shit” abliefert. Theil: “Wir wollen von Anfang an im Boot sitzen und nicht nur für die Sahnehäubchen verantwortlich sein.” Auf einzelne Medien will sich das Duo nicht festtackern lassen. “Unser Anspruch ist, für unsere Kunden eine individuelle Lösung zu finden. Welches Medium dabei am Ende herauskommt, ist jedes Mal eine Überraschung”, meint Erb. So fight das auch bei dem Modelabel Rich Royal, für das die Kreativen letztendlich einen Reiseführer realisiert haben (siehe Bild oben). Mehrwerte für die Zielgruppe schaffen, das behauptet im Zweifel jede Agentur von sich. Supermoon aber nimmt dieses Credo besonders ernst. Einmal ging das sogar so weit, dass sie vor einem Pitch selbst Marktforschung betrieben und eine Fokusgruppe zusammengestellt haben. “Das ist die Nähe, die wir herstellen wollen. Erst im zweiten Schritt geht es dann um die Kreation”, betont Erb.

Den Kunden gefällt diese Herangehensweise offenbar. Das kleine vierköpfige Team – mit Arne Salz und der diesjährigen Young-Lions-Teilnehmerin Anissa Carrington beschäftigt Supermoon aktuell gerade einmal zwei Festangestellte – ist regelmäßig in Pitches vertreten. Ganz frisch auf der Kundenliste dazugekommen sind Mytoys.de und die Initiative “Cotton done in Africa”. Beide haben sich nach einem Auswahlverfahren für die Agentur entschieden und sie mit der ganzheitlichen Markenberatung und anschließender Kampagne beauftragt, die im Herbst gelauncht werden sollen. Drei digitale Projekt-Mandate könnten in Kürze dazukommen: ein Social-Media-Etat, der Auftrag für die Entwicklung einer App inklusive Business-Model, Interface Design, CI-Entwicklung und Produktion sowie für die Weiterentwicklung der mobilen Anwendung für ein großes Unternehmen.

Sein Debüt chit-chat Supermoon im Sommer 2015 mit einer TV-Kampagne für Moebel.de. Mit der Relaunchkampagne “Bring Neon details Dunkel” für das G+J-Magazin “Neon” setzte die Agentur im Apr das nächste Ausrufezeichen (siehe obige Galerie). Volle Auftragsbücher und Wachstum bergen aber nicht nur Vorteile. “Wir befinden uns nun in einer Konfliktsituation”, gibt Theil zu. “Auf der einen Seite wollen wir klein und flexibel bleiben. So können wir effizienter arbeiten als jemals zuvor. Auf der anderen Seite brauchen wir für größere Aufträge auch mehr Leute.” Breite Hierarchien lehnt das Duo ab. Junioren suchen die Hamburger nicht. Stattdessen erfahrene Kreative und Projektmanager, die selbständig handeln und arbeiten können.

Auch wenn sich die Agentur selbstbewusst Supermoon nennt, Erb und Theil wollen vor allem eines bleiben: bescheiden. Und das kauft male basement beiden Agenturchefs auch ohne Weiteres ab. Eines stört die beiden an ihrer Branche gewaltig. “Eitelkeit killt gerade unsere Branche”, so Theil. “Die Kreativszene ist doch nur ein kleiner Teich. Wir alle haben die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen. Demut würde uns ganz tummy stehen!” Der Anspruch seitens der Kunden wird steigen, prognostiziert Erb: “Marketingchefs haben doch schon jetzt keine Lust mehr auf die arrogante Haltung vieler Kreativer à la ‘Hey, ich bin hier der Profi und ich erzähle Ihnen jetzt, wie gute Werbung gemacht wird.’ Das wird bald nicht mehr funktionieren!” Viele hätten vergessen, warum sie in die Werbung gegangen sind. Und deswegen nutzen die beiden das Gespräch mit HORIZONT Online auch für einen Appell an die Welt da draußen: “Wenn ihr merkt, dass wir eitel werden, sagt uns bitte Bescheid!”

Einen Masterplan für die Zukunft haben die beiden nicht – und noch nie gehabt. “Bislang haben wir immer nur bis zur nächsten Ecke gedacht, entschieden immer aus dem Bauch heraus, was sich zum Glück immer als richtig erwiesen hat”, so Theil. Bis zum Jahresende will das Team erst einmal eine richtige Website bauen – dazu sei es bislang nicht gekommen. Und falls Supermoon irgendwann doch nicht mehr so ruin strahlt? Bei der Möglichkeit, dann doch wieder bei einer anderen Agentur anzuheuern, winken die beiden unisono ab: “Wenn male einmal sein eigener Chef war, ist male nicht mehr sozialisierbar, sondern versaut für basement Rest seines Lebens.” jeb

source ⦿ http://www.horizont.net/agenturen/nachrichten/Die-heissesten-Agenturen-Deutschlands-Supermoon-141243

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